Albert Neufeld

Albert Neufeld wurde am 27. Juli 1877 geboren und am 26. Februar 1941 in das polnische Opole deportiert. Dort wurde er wegen
seiner jüdischen Herkunft ermordet. Das spärliche Wissen über sein Leben als Klavierlehrer und Komponist ist einem Zufall und
seiner Freimaurermitgliedschaft geschuldet. Durch seine Mitgliedschaft in der gemischten Freimaurerei des Le Droit Humain, der
er noch kurz vor dem sogenannten „Anschluß“ Österreichs beitrat , konnte er einer freimaurerischen Kollegin, Lilli Heu, seine
Kompositionen anvertrauen. Dieser gelang zusammen mit ihrer Familie die Flucht nach Großbritannien, wo sie sein musikalisches
Vermächtnis aufbewahrte. Ihr Sohn John Heu übergab sie Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg dem Jüdischen Museum von wo die
Partituren 2024 zusammen mit der Oper Almonsor ihren Weg in die Abteilung von Exilarte an die Universität für Musik und
darstellende Kunst nahmen. Hier harren sie einer Wiederentdeckung .
Die Vertonung des einzigen Dramas von Heinrich Heine Almonsor erzählt die Geschichte eines Paares zur Zeit der Kreuzzüge.
Die Situation der Liebenden( sie eine Europäerin, er ein Araber ) zeigt durch Rassen- und Religionsdifferenzen gewisse
Parallelen zu der Zeit vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. Lilli Heu hatte auf Bitten von Albert Neufeld einen Prolog zur
Oper verfasst und damit die Handlung in die damalige Gegenwart versetzt. Die Übergabe seiner Werke an sie war daher nicht
zufällig, sondern durch die Zusammenarbeit der beiden bestimmt. Neufeld, um 22 Jahre älter als seine schreibende Kollegin,
hatte diese noch vor dem Ersten Weltkrieg als Schülerin in der Schwarzwaldschule unterrichtet.
Albert Neufeld besuchte das Musikkonservatorium und schloss seine Ausbildung 1897 im Fach Klavier mit Erfolg ab . Sein
finanzielles Auskommen fand er als Klavierbegleiter, was ihn in diverse Städte führte. Doch er war auch als
Unterhaltungskomponist tätig, wie sein Shimmy, Lottchens Divan aus dem Jahr 1923 zeigt. 1927 genehmigte der Stadtschulrat
seine Privatlehranstalt für Klavier in 1020 Wien, in der Lilienbrunngasse 12. In dieser Wohnung, in der er auch lebte
arbeitete er acht Jahre lang, 1935 legte er die Genehmigung zurück. Albert Neufeld widmete sein Leben der Musik, er blieb
unverheiratet.
Sein Beitritt in die gemischte Loge Harmonie des Le Droit Humain dürfte noch 1938 stattgefunden haben. Da standen die
politischen Zeichen bereits auf Sturm, was dem Musiker durchaus bewusst war, denn er übergab seine Oper zusammen mit einigen
anderen Partituren an Lilli Heu, um sie von ihr ins Ausland bringen zu lassen. Im Einleitungskommentar von Almonsor heißt es
in den Worten von Lilli Heu: „Ein wegfahrender Zug markiert durch letzte rote Laterne.“ Der Text beginnt mit den Worten:
„Ohne Abschied, auf nie Wiederkehr…“. Dies traf sowohl für die Librettistin als auch für den Komponisten zu. Während sie von
Wien ins Ausland fliehen konnte wurde der 64-Jährige 1941 ein Opfer der Schoah.
Quelle: Archiv und Forschung des LE DROIT HUMAIN Österreich
Link:
Albert Neufeld auf der Plattform WIEN GESCHICHTE WIKI
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